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Grill-Knigge

Grill-Knigge – so gelingt es auch wieder mit dem Nachbarn

Die grilltechnische Stoßzeit beginnt nun wieder. Es zieht die Menschen nach dem endlosen Winter wieder nach draußen auf den Balkon, in den Garten oder in den Park. Doch der Spaß hat schnell ein böses Ende, wenn sich Nachbarn und Mitmenschen durch Geruch und Lärm belästigt fühlen. Wie grillt man ohne Ärger? Und wie vermeide ich Fettnäpfchen als Gastgeber und Gast?

Gerade auch bei der archaischsten Form der Essenszubereitung, dem Grillen, bedarf es Kompromissen und einer Portion Rücksichtnahme. Es gibt keine einheitlichen Gesetze in Deutschland, die Regeln was erlaubt ist und was nicht.

Wann spricht man von Lärmbelästigung?

Grundsätzlich ist man sich einig, dass die allgemeingültigen Ruhezeiten beachtet werden müssen. Ab 22.00 Uhr muss die Lautstärke gedämpft werden und das Essen bzw. die Feier ins Haus verlegt werden. Ihr Nachbar ist bestimmt über einen Hinweis mindestens 48 Stunden vor der Grillparty froh. Oder noch besser Sie laden Ihn mit ein. Problem gelöst. So gibt es aber auch Ausnahmen, die auch das Grillen nach 24.00 Uhr erlauben. Hierzu zählen z.B. die Fußball-WM und EM. So ist bis zu viermal im Jahr das Grillen nach 24.00 Uhr als sozial-verträglich anzusehen.

Was bedeutet „erhebliche Geruchsbelästigung“?

Der Punkt Geruchsbelästigung ist in Nordrhein-Westfalen klar gesetzlich geregelt nach dem Landesemissionsschutzgesetz. Wenn unbeteiligte Nachbarn durch den Rauch „erheblich belästigt“ werden, kann die Polizei oder das Ordnungsamt ein Bußgeld verhängen. Lassen Sie es aber erst gar nicht so weit kommen. Passen Sie Ihr Grill-Equipment den zur Verfügung stehenden Gegebenheiten an. Bei wenig Abstand oder Raum zum Nachbarn ist ein Elektrogrill die beste Wahl und auf dem Balkon die sicherste Auswahl. Den Holzkohlengrill an einen Platz im Garten platzieren, der genug Abstand und Raum zum Nachbarn bildet. Die Ausrichtung so vornehmen, dass der Rauch nicht zum Haus des Nachbarn zieht.

Was offenbart der Mietvertrag?

Generell sollten Sie in Mehrfamilienhäusern klären wie die interne Regelung lautet. Gibt es eine Klausel im Mietvertrag? Muss dieses beachtet werden, sonst droht die Abmahnung und im Wiederholungsfall sogar die Kündigung. Als zumutbar gilt das Grillen einmal monatlich in den Monaten April bis September. Im Garten darf es zweimal im Monat sein. Steht kein Garten oder Balkon zur Verfügung und kann man sich überhaupt nicht mit seinen Nachbarn einigen, bleibt einem der öffentliche Park. Selbstverständlich nur auf den hierzu freigegebenen Parkflächen. Nehmen Sie Rücksicht auf andere Besucher und hinterlassen Sie die Parkflächen so, wie Sie diese vorgefunden haben, ohne Müll und verbrannten Rasen.

Aufgaben des Chefs am Grill

Selbstredend trägt der Gastgeber dafür Sorge, dass seine Gäste jederzeit mit Getränken und Speisen versorgt sind. Schlecht ist es als Gastgeber das komplette Grillgut auf einmal auf den Grill zu schichten und somit die Gäste mit der Fleischaufnahme zu überfordern. Lieber in Etappen grillen nach den Wünschen der Gäste. Beim Herbeitragen der Verpflegung können die Gäste eine Helferfunktion übernehmen und eine besonders wertschätzende Geste gegenüber dem Gastgeber wäre es, wenn sich ein Gast für eine kurze Zeit auch einmal dem Grill annehmen würde, so dass der Grill-Chef auch in Ruhe in den Genuss seines Grillgutes kommen kann. Als Gast kann man aber auch nicht erwarten, dass den ganzen Abend über frisch gegrilltes Gut zur Verfügung steht. Bei einer Einladung ab 19.00 Uhr sollte man als Gast nicht erst um 21.30 Uhr auftreten und dann noch erwarten, dass der Gastgeber den Grill wieder befeuert und den Rost neu bestückt.

Absolute no-go sind warme Getränke im Sommer (hier vor allem bei Männern, ein falsch temperiertes Bier) und Grillgut, das noch roh vom Rost kommt. Außerdem ist es wichtig die Hygiene und die Verderblichkeit der Speisen zu beachten. Auch wenn das Grillen eine sehr ursprüngliche Form der Nahrungszubereitung ist. So sind wir keine Höhlenmenschen mehr. Die Gestaltung des gedeckten Tisches richtet sich ganz nach den Vorlieben des Gastgebers und was er seinen Gästen dekorativ bieten möchte. So wird sich eine Fußball betrachtende Männerrunde auf das Nötigste beschränken und selbst Gläser nicht einfordern. Wird das Grillen mit einer Gartenparty verbunden, so erwartet man vom Gastgeber eine ansprechende Präsentation der Speisen und Getränke. Ob das Fleisch der Hähnchenschenkel über das Besteck den Weg in den Mund finden oder direkt von der Hand entscheidet das Thema und die Gestaltung der Grillparty. Beobachten Sie die Gastgeber und die anderen Gäste, wenn alle das Besteck wählen, wählen Sie es auch.

Dresscode für die Grillparty

Gibt es einen Dresscode für eine Grillparty? Zur Grillparty im Garten des Chefs sollte man sich Business Casual kleiden. Achtung! Gerade hier werden Geschäfte gemacht und Fehler gerne registriert. Eine Ferienhose oder Ferienkleidung auf einem Business Casual Event haben schon Karrieren beendet. Für den Mann gilt ein hellerer Anzug mit einem sportlichen Hemd. Für die Frau empfiehlt sich ein Hosenanzug oder ein helleres Kostüm , dezenter Schmuck und nicht zu hohe Schuhe am besten mit Blockabsatz, da Sie mit Pfennigabsätzen im Rasen einsinken.

Für private informelle Grillpartys im Sommer trägt Frau ein sommerliches Kleid. Jeans und T-Shirt wirken entspannt sowohl für die Frau als auch für den Mann. Für den kühleren Abend im Sommer nehmen Sie sich noch etwas Wärmeres über Ihr Outfit mit.

Von Tessa Becker, aktives Mitglied in der Knigge Gesellschaft für moderne Umgangsformen